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Ulmen - Cochem --> Das Enderttal


  • Weg: Der Weg durch das Tal der Endert ist Teilstück des Hauptwanderweges 15 des Eifelvereins, dem sogenannten 75 km langen Karolingerweg von Prüm über Daun nach Cochem. Über eine gute Busverbindung gelangt man von Cochem nach Ulmen zurück --> Streckenkarte
  • Weglänge: 20 km
  • Dauer: ca. 6 h
  • Schwierigkeit: In der Mitte wird etwas Trittsicherheit benötigt und auf Grund der Länge mittelschwer.
  • Bewertung: Sehr lohnenswert.
  • Informationen und Karten: Der Weg ist gut mit dem > aller Hauptwanderwege markiert. Deshalb reichen zur Übersicht eigentlich die Karte und das Höhenprofil, die es auf der Website des Verkehrsvereins Ulmen gibt. Vom Endertplatz in Cochem gelangt man mit dem Bus der Linie 500 zurück nach Ulmen.

Der Rathausplatz liegt etwas abseits des eigentlichen Ortskernes von Ulmen und ist deshalb zunächst etwas schwieriger in dem etwas unüberschaubaren Straßennetz des Städtchens zu finden. Dafür gibt es dort aber einen Parkplatz, auf dem zeitlich unbegrenzt kostenlos geparkt werden kann. Weitere Pluspunkte für diesen Standort sind, dass hier eine Haltestelle für den Bus liegt, der Ulmen mit Cochem - und umgekehrt - verbindet und außerdem von dort die Antoniusstraße abgeht. Auf ihr gelangt man durch ein neues und nobel erscheinendes Wohnviertel einen Berg hinauf, um dort fast auf der Höhe in einen Fußgängerweg abzubiegen, der dann an Wiesen und Weiden vorbei in den Wald mündet. Nach kurzer Zeit erreicht man so das Antoniuskreuz, den höchsten Punkt der Tour, auf der Anhöhe an einer großen Wiese gelegen.

Von da an geht's bergab. Nach wenigen Schritten ist eine Landstraße zu überqueren, der Weg taucht ein in einen Buchenwald und neigt sich dann stark ins Tal. Kurze Zeit später öffnet sich der Wald und gibt den Blick über weitläufige, talwärts liegende Weiden frei. An Wald- und Wiesenrändern geht es weiter hinab, bis man auf einen Querweg stößt, von dem nur einige Meter entfernt ein kleiner Bach zwischen den Bäumen plätschert: Die Endert.

Auf breitem Weg geht es von nun an stets an dem langsam aber stetig immer weiter zunehmenden Gewässer entlang, durch ein meist tief v-förmiges eingeschnittenes Tal, das an beiden Seiten häufig recht steil nach oben verläuft und dicht bewaldet ist. Manchmal ist das Tal sogar so eng geschnitten, der Wald so dicht und dunkel, dass man trotz Sonnenschein und blauem Himmel über den Hängen glaubt, am Eingang einer Höhle zu laufen, und trotz der langen Trockenperiode im vergangenen Sommer ist die Feuchtigkeit dann deutlich beim Einatmen zu riechen und zu spüren, legt sie sich auf Hände und Gesicht und scheint Hemd und Hose zu durchdringen.

Nach etwa 6-7 km erreicht man eine Landstraße, die überquert werden muss und deren Verlauf man ein Stück weit über einen Waldweg auf der anderen Seite des Tales folgt. Schon bald danach wird die Melodie des Wassers zu einem Rauschen - der Wasserfall, ein Höhepunkt der Tour, ist erreicht. 7 m Höhe überwindet die Endert hier über eine steile Felsklippe, um an deren Fuße in ein kleines Becken zu stürzen und von dort wieder ruhig und friedlich, gespeist von einem weiteren, kleinen Bach, weiter der Mosel entgegen zu fließen, als wäre nichts gewesen. Über die obere Kante des Wasserfalls führt der Aussicht wegen ein Holzsteg, aber auch - wem die 20 km reine Wegstrecke bis Cochem nicht genug sind -, um einen Abstecher zur Wallfahrtskirche Maria Martental, die sehr sehenswert sein soll, zu machen.

Wieder gelangt man nach kurzer Zeit an eine Straße, der man diesmal ein kleines Stück folgen muss, um dann wieder in den Wald abzubiegen. Nun wird der Weg schmaler und führt dicht am Ufer der Endert entlang, die mittlerweile zu einem kleinen Flüsschen angewachsen ist. Nachdem man einige hundert Meter gelaufen ist, lässt auch der Müll nach, den Turnschuhwanderer hier am und auf dem Weg achtlos hinterlassen haben, und ich haben den vielleicht schönsten Streckenabschnitt betreten. Denn nicht nur der schmale Pfad - manchmal geht es jetzt auf Stegen über das Wasser und dicht an schroffen Felsen vorbei - und das rauschende Wasser neben den Schuhen macht Spaß, sondern von nun an beginnt auch ein Abschnitt in dem ein gutes halbes Dutzend ehemaliger Mühlen einsam am Rand der Endert entlang verstreut liegen. Allesamt sind sie nicht mehr in Betrieb und nur an einer kommt man vorbei, bei der das Mühlenrad noch unter einer Überdachung zu sehen ist, aber alle liegen sie malerisch im engen, dunklen Tal, dicht von Bäumen und Büschen umwachsen, und scheinen mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Bis auf zwei sind alle Gebäude offenbar nur noch am Wochenende bewohnt, diese zwei jedoch werden als Ausflugslokale bewirtschaftet.

Außerdem ist das Wasser der Endert so klar, dass man hier an breiteren Stellen, an denen man glaubt, dass das Wasser stehen würde, sogar Fische (Bachforellen?) beobachten kann, die entgegen der Fließrichtung im Wasser stehen und auf Beute warten. Allerdings darf man sich nicht zu schnell dem Uferrand nähern, denn sonst bemerken sie den Schatten und flüchten unter Steine in ihre Verstecke.

Nach etwas 5 Stunden nähert man sich dem Hotel Weißmühle, dass das Wort Mühle allerdings nur noch im Namen trägt und als solche nicht mehr zu erkennen ist. Der Weg ist schon seit einiger Zeit wieder breiter geworden, und spätestens hier ist die Nähe des Ausflugziels Mosel nicht mehr zu verleugnen. Schön im sich öffnenden Tal gelegen, saß an dem Freitagnachmittag im späten September, an dem ich dort ankam, auf der Terrasse eine große, laut grölende Menschenmenge, die schon aus einiger Entfernung deutlich zu vernehmen war. Auf den Parkplätzen um das Hotel herum standen dann auch Autos mit vielen unterschiedlichen Kennzeichen bis hin zu belgischen und holländischen. Über den asphaltierten Zufahrtweg, an einem Campingplatz vorbei, gelangt man an eine in einem weiteren Tal gelegenen, viel befahrene Straße. Kurz davor biegt der Weg zwar ab und steigt um einige Höhenmeter im Tal hinauf, es folgen aber bald wieder Straßen, ehe der Weg den letzten Kilometer zu einem Pfad am Berghang wird, den man dann am Ende in Serpentinen steil bergab steigt, um schließlich die letzten Meter über Treppen zur Straße hinab zu gelangen und man in Cochem an der Seilbahn steht.

Dieses letzte Stück des Weges, beginnend mit dem Hotel Weißmühle, ist nach dem wild-romantischen Weg zuvor ein wahrer Schock. Hat man die bier- und weintrinkenden Ausflügler hinter sich gelassen und ist von der Straße abgebogen, mag es optisch noch einmal ganz reizvoll sein, den Hang tief hinunter auf die ersten Häuser von Cochem zu sehen, doch sind akustisch stets die Verkehrgeräusche der bereits erwähnten im Tal gelegenen Straße zu vernehmen, die durch den Wald heraufschalen und sehr stark stören.

Von der Seilbahn ist es nicht mehr weit bis zum Busbahnhof, der Endertplatz heißt und direkt an der Mosel liegt. Einen netten Blick hat man von dort auch auf die auf einem Hügel gelegenen Reichsburg Cochem, die beeindruckend über der Stadt und der Mosel thront. Ein Shuttlebus fährt vom Endertplatz zur Burg hinauf, mir war nach den 20 km Fußmarsch allerdings nicht mehr nach Besichtigung zumute, zumal es auch schon 18 Uhr war und um kurz nach der Bus nach Ulmen abfahren sollte.

Nett aber noch die kleine Geschichte zum Schluss: Eine Gruppe, bestehend aus zwei Paaren, wartete ebenfalls auf die Linie 500 nach Ulmen und zeigte mir den richtigen Bussteig. Als der Bus kam und die Gruppe einstieg, wurde ich plötzlich von Ende der Warteschlange herangewunken und ich zählte mit einem Mal zur Gruppe dazu. Der Grund war ein Rabatt, der Kleingruppen bis zu fünf Personen in der Woche gewährt wird. So konnte ich also auch einen kleinen Teil des Fahrpreises einsparen.

Während der 40 Minuten dauernden Rückfahrt gibt es beim Verlassen von Cochem vom Fenster aus noch hier und da einen schönen Blick auf die Reichsburg, nämlich dann, wenn der Bus sich nach Verlassen der Stadt die Berge hinaufquält. Der Unterschied ist nur, dass man nun von der Höhe auf die Anlage hinabblickt.



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